SEO: Fehler - Mythen - Irrtümer

Augen auf bei der Agentursuche

Suchmaschinen-Optimierung (SEO) ist Teil des Online-Marketing. Wir tauchen ein in die Interaktionen zwischen Agenturen und Auftraggebern. Wir beleuchten, was sich normalerweise hinter den Kulissen abspielt. Sie finden Einsichten und Einblicke, basierend auf langjähriger persönlicher Erfahrung im Umgang mit Klienten und deren Agenturen.

Guenter_Umbach_Seo_Fehler

 

Die harsche Realität

Kaum eine Webagentur wird dem anfragenden Klienten erzählen, dass sie das Gebiet SEO kompetenzmäßig nicht abdecken kann - der Auftrag und das entsprechende Geld winken ja. So kommt es dann zu der unschönen Situation, dass Klienten viele zehntausende Euro für die Entwicklung einer (aktualisierten) Webseite ausgeben, nur um dann enttäuscht festzustellen, dass ihre Online-Präsenz, die vorher unter den ersten 10 Suchergebnissen lag, nun bei der organischen Google-Suche leider weit jenseits der ersten 10 Suchergebnisse liegt.p>

 

Was ist passiert?

Mangels entsprechendem SEO-Know-how wurden bei Planung und Aufbau der Webseite schwerwiegende strategische und handwerkliche Fehler begangen.

Händeringend wird dann ein externer SEO-Experte oder SEO-Guru oder SEO-Hexenmeister gesucht, der nachträglich "SEO Magic" (womit meist das Einfügen einiger Keywords, Metatags sowie Anmeldungen in Directories verstanden wird) wie mit einem Zauberstaub auf die Webseite streut, damit alles wieder gut wird.

Hier muss ganz klar gesagt werden: So funktioniert SEO nicht. Dieser Beitrag will etwas Licht in die Situation bringen - bewusst in Richtung Demystifizierung und Versachlichung.

Fehler Nr. 1

Ihre Agentur erzählt, dass Sie für ein bestimmtes, gebräuchliches, häufig genutztes Keyword ganz oben stehen sollten und macht ausschließlich dafür Vorschläge. Leider haben hier viele Mitbewerber bereits einen nur schwer aufholbaren Vorteil.

Mein Tipp: Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Team, welche noch nicht so häufig verwendeten Begriffe eine gute Alternative wären. Hier kommen in Frage: seltener verwendete Worte, sogenannte "Longtail Words" oder ausformulierte Fragen, beispielsweise "Was bedeutet ..." oder "Fehler bei ... " oder auch Synonyme bzw. Worte mit ähnlicher Bedeutung.

Fehler Nr. 2

Ihre Agentur erzählt, dass SEO vor allem in den sogenannten Meta-Tags im Quelltext stattfindet.

Richtig ist vielmehr, dass eine ganze Reihe von Faktoren wichtig ist. An erster Stelle steht die inhaltliche Gesamt-Qualität einer Webseite. Weiterhin wichtig sind Aktualisierungen, Benutzerfreundlichkeit und Links von anderen guten Webseiten.

Fehler Nr. 3

Ihre Agentur bringt Texte und Metatags, die auf der gleichen Webseite inhaltlich stark voneinander abweichen.

Hier ist Einklang bzw. Übereinstimmung gefragt. Dies bedeutet, dass auf einer Webseite die gleichen Worte oder Worte mit ähnlicher Bedeutung verwendet werden sollten.

Fehler Nr. 4

Ihre Agentur bringt ein und den selben Title-Tag auf allen Unterseiten einer Online-Präsenz. Auf allen Seiten den gleichen Titel zu verwenden ist so, als würde man Google sagen, dass alle Seiten denselben Inhalt enthalten.

Besser ist vielmehr, dass jede Seite einen eindeutigen, individuellen Seitentitel hat, da dieser einer der am stärksten bewerteten On-Site-Optimierungs Parameter ist.

Fehler Nr. 5

Ihre Agentur erzählt, dass Sie mit Google AdWords Ihre organischen Suchergebnisse beeinflussen können.

Diese Aussage ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass Google die bezahlten Anzeigen nicht bei der Berechnung der organischen Suchergebnisse berücksichtigt.

Fehler Nr. 6

Ihre Agentur erzählt, dass Sie erst die Grafiken und den Text der Webseite erstellen und dann hinterher mit SEO starten.

Richtig ist vielmehr, dass bereits beim Texten SEO-Aspekte berücksichtigt werden sollten, beispielsweise bei Überschriften, Zwischenüberschriften, Aufgliederungspunkten, Grafikbeschreibungen, etc. Es ist mühevoll, diese Elemente erst in der finalen Phase verbessern zu wollen. Wenn SEO-Experten also erst eingeschaltet werden, wenn die Webseite bereits steht, wird es Sie viel Zeit und Geld kosten.

Fehler Nr. 7

Ihre Agentur erzählt, dass SEO eine isolierte Tätigkeit ist mit dem Ziel, bei den Suchergebnissen oben zu stehen.

Richtig ist vielmehr, dass die Sichtbarkeit nur der erste Schritt ist. Sie wollen ja wertvolle Inhalte (Valuable Content) haben, welche die Besucher Ihrer Webseite zu einer Aktion motivieren. Man spricht auch von "OC/DC" (Optimizing Content for Discovery and Conversion) - siehe dazu auch Fehler Nr. 1.

Fehler Nr. 8

Ihre Agentur oder Sie haben keine Analyse der Mitbewerber durchgeführt: Welche Keywords benutzen Ihre Konkurrenten? Betrachten Sie deren Indexseiten, weitere Seiten, Landingpages, etc.

 

Fehler Nr. 9

>>> Zum Originalartikel

 

Fehler Nr. 10

Ihre Agentur erzählt Ihnen, dass Sie gleich beim ersten Kontakt auf dem Kontakt- oder Anmelde-Formular möglichst viele Informationen von potenziellen Kunden einholen sollten.

Richtig ist vielmehr, dass Sie besser nur nach den wichtigsten Informationen fragen sollten. Denn: Der offene "Informationshunger" von Firmen wird viele Interessenten abschrecken. Also. Fragen Sie nur nach elementaren Daten wie Name und Emailadresse.

 

Fehler Nr. 11

Ihre Agentur verheimlicht Ihnen den Namen der Person, die SEO macht (dies ist der Leistungsträger):

Hier liegt der Verdacht nahe, dass Ihre Agentur diese Tätigkeit an einen Freelancer outgesourct hat. Es wäre für Sie besser (und preiswerter), direkt mit diesem externen Dienstleister zu kommunizieren. Daher: Fragen Sie nach!

 

Fehler Nr. 12

Ihre Agentur hinterfragt nicht Ihre Liste von Keywords, sondern übernimmt diese kritiklos.

Eine gute Agentur verwendet Werkzeuge wie "Ubersuggest" oder "Google Adwords / Tools / Keyword Planer", um Ihre Liste zu verifizieren bzw. Verbesserungsvorschläge zu den einzelnen Worten als auch zur Reihenfolge zu machen.

 

Fehler Nr. 13

Sie schaffen es durch SEO ganz nach oben bei den Online-Suchergebnissen, aber die Agentur übersieht, dass die gefundene Webpräsenz keinerlei Handlungsaufforderung enthält.

Tipp: Gewährleisten Sie, dass am Ende immer ein Call-To-Action (kurz CTA), also ein klarer Handlungsimpuls, erscheint.

 

Fehler Nr. 14

Ihre Agentur erzählt, dass Sie unbedingt "Schema.org" berücksichtigen sollten: Dabei handelt es sich um Zitat "A collaborative to create and promote schemas for structured data on web pages".

Hinweis: Die Relevanz dieser zusätzlichen Daten ist nach Meinung vieler Experten völlig unklar. Möglicherweise lohnt sich der Aufwand gar nicht.

 

Fehler Nr. 15

Ihre Agentur sagt, dass sie über ganz besonderes Know-how, spezielle Ergebnisse permanenter Forschung oder gar Insider-Wissen verfüge und benutzt dabei wohlklingende Begriffe wie beispielsweise "Niche-Adaptive Engineering" oder "Suchmaschinen Reverse Engineering". Interessanterweise sind derartige Agenturen für "SEO" oder "Suchmaschinenoptimierung" gar nicht auf der ersten Google-Ergebnis-Seite zu finden.

Die Wahrheit: Google hat circa 200 bis 300 Rankingfaktoren. Davon sind angeblich circa 40 bekannt. Über viele andere Rankingfaktoren kann man nachvollziehbare Mutmaßungen anstellen. Ein Großteil des Algorithmus ist also unbekannt.

 

Fehler Nr. 16

Ihre Agentur liefert Ihnen nur Texte und Metatags, aber keine Vorschläge für Grafiken oder Videos.

Einige Grafiken bzw. Abbildungen oder Bilder und Links zu Videos weisen für Google darauf hin, dass hier hochwertiger Content vorliegen kann und wird daher stets positiv bewertet Eine Webseite braucht nun mal ein ausgewogenes Verhältnis von Text und Bild.

 

Fehler Nr. 17

Ihre Agentur liefert Texte mit sehr häufiger Erwähnung der Keywords, dem sogenanntem "Keyword Stuffing"

Meine Empfehlung: Überschütten Sie Ihre Webseiten nicht mit Ihren Keywords! Wenn nämlich bestimmte Suchbegriffe im sichtbaren Text und den Meta-Daten in einer unnatürlich hohen Frequenz wiederholt werden, um deren Relevanz zu erhöhen, wird dies von Google erkannt und abgestraft. Meine Empfehlung: Schreiben Sie primär für den Nutzer, nicht für die Suchmaschine!

 

Fehler Nr. 18

Ihre Agentur liefert Ihnen nur kurze Texte oder Texte von offensichtlich minderwertiger Qualität, die für die Zielgruppe keinen erkennbaren Nutzen bieten.

Tipp: Denken Sie an den alten Spruch "Content is king".

Mehr finden Sie auf: www.content-marketing-in-pharma.de

 

Fehler Nr. 19

Ihre Agentur verschweigt Ihnen, dass man auch nach dem Erreichen von vorderen Rängen in den Suchergebnissen weiterhin etwas tun muss. Eine Seite einfach nur online zu stellen und sich dann nicht weiter darum zu kümmern, ist überhaupt keine gute Idee.

Richtig ist vielmehr, dass Updates, Anreicherungen, Aktualisierungen und zunehmende Verlinkungen sich sehr positiv auf das Ranking auswirken.

 

Fehler Nr. 20

>>> Zum Originalartikel

 

Fehler Nr. 21

>>> Zum Originalartikel

 

Fehler Nr. 22

Ihre Agentur hat die Click-through rate (CTR) nicht im Auge.

Hinweis: CTR = Anzahl der Clicks auf einen Link dividiert durch die Anzahl der gezeigten. Die CTR zeigt, wie gut die durch die Suchmaschine generierten Besucher "performed" haben. Dies ist nicht zu verwechseln mit der Conversion rate (CR).

 

Fehler Nr. 23

Ihre Agentur sagt, dass Duplicate Content einen starken negativen Effekt auf die Suchmaschinenergebnisse hat.

Die Realität: "The negative side effect of content duplication is usually blown up in importance, since Google rarely penalizes sites for duplicate content"

Hier finden Sie weitere Infos.

 

Fehler Nr. 24

Ihre Agentur macht Ihnen den Vorschlag im Sinne von "Relaunch und Redesign", um "mal wieder frischen Wind in Ihre altbacken gewordene Webseite bringen". Die Agentur baut eine völlig neue Online-Präsenz, die oberflächlich im Internet auch gut aussieht, aber leider Gift für SEO ist.

Leider hat die Agentur nicht bedacht, dass mit diesem unbedachten Vorgehen ein Großteil der Bonus-Punkte, die Ihre alte Webseite über die Jahre bei Google gesammelt hat, verloren gehen.

 

Fehler Nr. 25

Ihre Agentur sagt sinngemäß "Wir werden Ihre Webseite nach oben bringen, indem wir sie bei möglichst vielen Suchmaschinen anmelden".

Richtig ist: In Deutschland (ist beispielweise in asiatischen Ländern anders) gibt es nur eine relevante Suchmaschine, nämlich Google. Für die Listung benötigt man allerdings keine Anmeldung, denn Google findet neue Webseiten von alleine.

 

Fehler Nr. 26

Ihre Agentur sagt sinngemäß "Ein hoher Google PageRank ist wichtig".

Dieser Satz als separates Statement ist wenig hilfreich. Er sollte in den entsprechenden Zusammenhang gestellt werden. Richtig ist: Der "Google PageRank" ist von der Bedeutung her eigentlich eine Google-interne Bewertungsgröße und hat Einfluss darauf, wie häufig und wie intensiv Google die Website "monitoriert" bzw. "crawlt", also auf neue Inhalte hin untersucht. Für das organische Google-Ranking hat es keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss.

Fehler Nr. 27

Ihre Agentur macht vorwiegend Vorschläge für das Platzieren Ihrer Inhalte auf fremden Webseiten und unterbreitet als Unterstützung die Millionen und Milliarden User- und Zugriffs-Zahlen von fremden Plattformen.

Sie würden hier ein brandgefährliches Spiel spielen, wenn Sie Ihre eigenen wertvollen Inhalte vorwiegend auf Online-Plattformen veröffentlichen, die nicht Ihnen gehören. Hierzu gehören neben fremden Bloggern vor allem die "Paid Media". Diese Online-Anzeigen haben den Vorteil, dass sie schnell an- und abschaltbar sind und ihre Wirkung gut messbar ist. Gleichzeitig haben sie den schwerwiegenden Nachteil, dass alles auf fremden Webseiten stattfindet.

Die wichtigste Aufgabe der Anzeigen ist, Traffic auf Ihre eigenen Webseiten zu generieren.

Punkt Nr. 28

Für den Fall, dass Sie selber Agentur-Inhaber sind: Sie hören von einer Agentur, die Suchmaschinenoptimierung als Geschäftsmodell für andere Dienstleister anbietet - und zwar in Form einer sogenannten "Agenturversion" für Reseller, womit man angeblich "ganz einfach und strukturiert SEO-Leistungen für Kunden erbringen kann" und bei der "Experten erklären wie man Online-Marketing professionell ins Portfolio integriert".

Die Behauptungen, die sich auf der Webseite finden, lauten beispielsweise "preisgekrönte SEO-Software", "Website ganz einfach optimieren" "verblüffend einfache Lösung", "Optimiert für alle wichtigen CMS" und "ohne Vorkenntnisse möglich".

Bei solchen Werbesprüchen kann ich nur sagen: "Vorsicht" !

Punkt Nr. 29

Ihre Agentur empfiehlt ausschließlich Bezahlanzeigen.

Diese Art der bezahlten Werbung ist eine kurzfristig effektive Werbung, die schlagartig aufhört, sobald Sie aufhören, Geld "hineinzupumpen". Auf Ihre Frage nach Generieren von organischem Traffic durch eine eigene Webpräsenz sagt die Agentur "Wir wollen ja keinen dünnen Content entwickeln, der von Google bestraft wird".

Bei dieser Art von Kommentaren sind zwei Dinge zu beachten:
Erstens: Warum ist die Agentur eigentlich nicht in der Lage, hochwertigen Content zu schreiben?

Zweitens: Google bestraft keinen dünnen Content (wie dies bei Blackhat-SEO-Maßnahmen der Fall wäre), sondern belohnt ihn einfach nicht.

Punkt Nr. 30

Dieser Punkt basiert nicht etwa auf einem Fehler einer externen Agentur, sondern vielmehr auf dem mangelnden Willen von Abteilungen innerhalb von Unternehmen, Verantwortung für die Sichtbarkeit in Suchmaschinen zu übernehmen. Typische Kommentare (alle schon selber gehört) sind:

- "Dafür sind wir nicht zuständig"
- "Dafür ist die IT zuständig"
- "Dafür ist eine andere Einheit im Marketing zuständig"
- "Dafür haben wir interne und externe SEO-Experten"
- "Wir haben dafür GoogleAdwords und Facebook-Anzeigen"

Interessanterweise lässt die Tatsache, dass manche Firmen für die Produkte, die sie verkaufen wollen, in der organischen Suche kaum sichtbar sind, die Anwesenden völlig teilnahmslos oder kalt - ist ja "nicht ihre Baustelle".

 

Fazit

Wenn Sie gemeinsam mit Ihrer Agentur auf die oben erwähnten Aspekte achten, werden Sie das volle Potenzial von SEO ausschöpfen und im Online-Marketing erfolgreich sein.

 

 

Auszug aus dem Buch

 

Erfolgreich im Pharma-Marketing

 

Günter Umbach

 

Erfolgreich im Pharma-Marketing
Wie Sie Ärzte, Apotheker, Patienten, Experten
und Manager als Kunden gewinnen


Zum Buch


Springer Gabler 2018, 3. Auflage, 436 Seiten
Softcover, 59,99 € , ISBN 978-3-658-18481-0
eBook, 46,99 €, ISBN 978-3-658-18482-7

 

 

 

 

Bildnachweis

Adobe Stock Bild Nr.257689348

Artikel teilen

Weitere Artikel von Dr. med. Günter Umbach:

33 Tipps für virtuelle Konferenzen Schluss mit schlechten Online-Meetings

Online-Meetings, Video-Calls, Webinare und webbasierte Kommunikation gehören inzwischen zum Alltag. Haben Sie auch schon einmal an einem richtig schlechten Online-Event teilgenommen? Sehr Wahrscheinlich! Wenn Sie diese 33 Tipps beherzigen, wird Ihre Veranstaltung zum Erfolg.

| weiter |

Vorschaubild 33 Tipps für virtuelle Konferenzen



Ihre Firma
eintragen
  • Ihre kostenlose Web-Visitenkarte
  • in fünf Minuten angelegt
  • noch besser gefunden werden
  • einfach neue Kunden gewinnen
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Information
OK