Wie wehrbereit sind wir? Die neue Bevölkerungsbefragung 2026

</p><p><b>Auf Grundlage der repräsentativen ZMSBw-Bevölkerungsbefragung 2026 wurde die Wehrbereitschaft der Gesellschaft in Deutschland umfassend untersucht. Hierfür wurden im April und Mai 2026 über...

Quelle: Presseportal

Potsdam (ots) -

Auf Grundlage der repräsentativen ZMSBw-Bevölkerungsbefragung 2026 wurde die Wehrbereitschaft der Gesellschaft in Deutschland umfassend untersucht. Hierfür wurden im April und Mai 2026 über 2.200 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger befragt. Aus den empirischen Daten ist zu schließen: Niemand sollte die Wehrbereitschaft in Deutschland unterschätzen.

Mehrheit sieht Russland als Bedrohung

Die Grundlage der gesellschaftlichen Wehrbereitschaft ist die in allen Teilen der Bevölkerung stark ausgeprägte Wahrnehmung Russlands als Bedrohung für Deutschlands Sicherheit. Einzig die Wählerschaft der AfD sieht in Russland mehrheitlich keine Bedrohung. Mit dieser Bedrohungswahrnehmung steht und fällt der öffentliche Zuspruch zur Stärkung der nationalen Verteidigungsfähigkeit (Erhöhung der Verteidigungsausgaben, Personalaufwuchs der Bundeswehr und Akzeptanz des Neuen Wehrdienstes) sowie zu Deutschlands militärischem Engagement zum Schutz der NATO-Ostflanke und zur militärischen Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland.

Großer Rückhalt für Zeitenwende und Bundeswehr

Angesichts der anhaltenden Bedrohung durch Russland fordert weiterhin eine klare Mehrheit eine finanzielle und personelle Stärkung der Bundeswehr (58 bzw. 64 Prozent). Auch der Anfang 2026 eingeführte Neue Wehrdienst stößt auf eine große und im Vergleich zum Vorjahr gestiegene gesellschaftliche Akzeptanz (59 Prozent; +6 Prozentpunkte) - auch bei den Jüngeren. Der gesellschaftliche Rückhalt für die Bundeswehr ist und bleibt sehr hoch. Unabhängig von der sicherheitspolitischen Lage geben seit einem Vierteljahrhundert mindestens drei Viertel der Bürgerinnen und Bürger an, eine positive Einstellung zur Bundeswehr zu haben. Aktuell sind es über 80 Prozent. Dass die Bevölkerung eine kritische Haltung zur Bundeswehr habe, ist eine alte Behauptung, der jegliche empirische Evidenz fehlt.

Internationale Sicherheit: Starkes Bekenntnis, sinkendes Engagement

Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hat eine realistische außen- und sicherheitspolitische Auffassung und unterstützt eine aktive deutsche Außenpolitik. Pazifistische, isolationistische und militaristische Positionen vertreten nur Minderheiten in der deutschen Bevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr ist der grundsätzliche Zuspruch zu einer aktiven deutschen Außenpolitik jedoch gesunken, was sich auch in den niedrigeren Zustimmungswerten zu annähernd allen Mitteln der Außenpolitik sowie zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr abbildet. Diese Entwicklung führt zu einer wachsenden Diskrepanz zwischen dem prinzipiellen Bekenntnis zu Deutschlands Verantwortung für die internationale Sicherheit und der öffentlichen Unterstützung für das konkrete (militärische) Engagement zum Schutz dieser Sicherheit - im Rahmen der EU, der NATO und der Vereinten Nationen. Ungeachtet dieser Entwicklung spricht sich eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten dafür aus, dass Deutschland militärische Gewalt zur Verteidigung eines östlichen NATO-Mitgliedslandes einsetzen sollte, wenn dieses durch Russland militärisch angegriffen werden würde, ein Viertel (26 Prozent) ist unentschlossen und eine Minderheit (14 Prozent) lehnt dies ab.

Millionen würden Deutschland verteidigen - mit und ohne Waffe

Im Falle eines militärischen Angriffs auf Deutschland wären große Teile der Bevölkerung bereit, sich im Zivilschutz, im medizinischen Bereich, in verteidigungsrelevanten Wirtschaftsbereichen oder auch in den Streitkräften zu engagieren. Dabei sind Männer eher bereit, sich in technischen oder militärischen Verwendungen zu engagieren, während Frauen sich eher einen Einsatz im medizinischen Bereich vorstellen können. Es sind auch deutlich mehr Männer (53 Prozent) als Frauen (15 Prozent), die grundsätzlich bereit wären, im Falle eines militärischen Angriffs Deutschland mit der Waffe zu verteidigen. Das konkrete Interesse am Neuen Wehrdienst ist bei jungen Männern (34 Prozent) ebenfalls deutlich größer als bei jungen Frauen (17 Prozent). Gleiches gilt für den Soldatenberuf: 20 Prozent der jungen Männer und 5 Prozent der jungen Frauen können sich vorstellen, Soldat bzw. Soldatin zu werden.

Wie sind die Zustimmungswerte zur persönlichen Verteidigungsbereitschaft mit der Waffe und zum Interesse am Dienst in den Streitkräften zu bewerten? Allein in der Gruppe der 20- bis 40-Jährigen erklären sich 50 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen zum bewaffneten Kampf bereit. In absoluten Zahlen entspräche das gemäß Zensus fünf Millionen Männern und etwas weniger als zwei Millionen Frauen. Jeder fünfte Mann im Alter von 16 bis 29-Jahren kann sich zudem eine berufliche Tätigkeit als Soldat in der Bundeswehr vorstellen. In absoluten Zahlen wären das gemäß Zensus mehr als eine Million Männer. Und die 16-29-Jährigen, die ein mittleres bis sehr starkes Interesse am Neuen Wehrdienst bekunden, entsprächen in absoluten Zahlen ca. zwei Millionen Männern und ca. einer Million Frauen. Über die Gruppe der 18-Jährigen Männer hinaus besteht also weiteres Potenzial an Interessenten für den Neuen Wehrdienst.

Fazit

Niemand sollte die Wehrbereitschaft der deutschen Bevölkerung unterschätzen, denn die empirischen Befunde zeigen: Die akute Bedrohung durch Russland wird erkannt, die aktuelle Verteidigungspolitik mitgetragen und die persönliche Verteidigungsbereitschaft ist hinreichend stark ausgeprägt. Für die Bundeswehr besteht die Herausforderung darin, das vorhandene Wehrpotenzial in der Bevölkerung so auszuschöpfen, dass Deutschlands Verteidigungsfähigkeit möglichst schnell und zugleich nachhaltig gestärkt wird.

Ergebnisse auf einen Blick

Autor und Studie

Dr. Timo Graf forscht zur öffentlichen Meinung über Sicherheits- und Verteidigungspolitik, zu strategischen Kulturen sowie zu den zivil-militärischen Beziehungen in Deutschland. Dr. Graf leitet die jährliche ZMSBw-Bevölkerungsbefragung und ist der Autor des Forschungsberichts.

Die jährliche ZMSBw-Bevölkerungsbefragung ist seit Beginn der Umfragestudie im Jahr 1996 der Gradmesser für die gesellschaftliche Legitimation, Relevanz und Integration der Bundeswehr. Ihre Ergebnisse dienen dazu, das Verhältnis zwischen Bundeswehr und Gesellschaft zu analysieren sowie die Informationsarbeit der Bundeswehr zu evaluieren (Ressortforschung). Mit der öffentlichkeitswirksamen Publikation der Befragungsergebnisse in vielfältigen Formaten leistet das ZMSBw einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (Wissenstransfer). Darüber hinaus werden die Befragungsdaten in wissenschaftlichen Fachpublikationen aufbereitet, als Grundlage für sozialwissenschaftliche Qualifikationsarbeiten und in der universitären Lehre genutzt sowie der Forschung allgemein im Datenarchiv des GESIS zur Verfügung gestellt (Grundlagenforschung).

Ausführlichere Informationen zur Studie mit Zahlen, Methodologie und ein Download auf der Website des ZMSBw.

Pressekontakt:

Oberstleutnant Michael Gutzeit
Leiter der Informationsarbeit
Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
0331 9714 400

Original-Content von: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr übermittelt durch news aktuell