Velburg (ots) -
Der FC Schalke 04 denkt über einen spektakulären Ausbau der Veltins-Arena nach: Das Dach könnte entfernt und ein dritter Rang für rund 20.000 zusätzliche Zuschauer errichtet werden. Noch handelt es sich lediglich um ein Gedankenspiel. Selbst Stadionbauer Walter Hellmich betont, dass zunächst unter anderem Statik und technische Machbarkeit genau untersucht werden müssten. Gerade bei solchen Großprojekten entscheidet sich deshalb lange vor Baubeginn, ob die Kosten später beherrschbar bleiben.
Millionen gehen beim Bauen nicht erst auf der Baustelle verloren. Die teuersten Fehler entstehen häufig viel früher – durch unklare Anforderungen, falsche Annahmen und Planungsentscheidungen, die später nur noch mit enormem Aufwand korrigiert werden können. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum gerade bei komplexen Großprojekten eine detaillierte Planung der größte Hebel für niedrigere Baukosten ist, welche Entscheidungen früh getroffen werden müssen und wie sich kostspielige Nachträge und Fehlplanungen vermeiden lassen.
Bei Bestandsgebäuden beginnt Planung mit Untersuchung
Wer ein bestehendes Stadion erweitern möchte, plant nicht auf der grünen Wiese. Das vorhandene Gebäude setzt den Rahmen für alle weiteren Überlegungen. Deshalb muss zunächst möglichst genau geklärt werden, was tatsächlich vorhanden ist und welche Veränderungen technisch möglich sind.
Gerade bei älteren Immobilien reichen die vorhandenen Unterlagen dafür nicht immer aus. Pläne können unvollständig sein oder vom tatsächlichen Zustand abweichen, weil während des laufenden Betriebs Umbauten und andere Veränderungen vorgenommen wurden. Wer sich ausschließlich auf alte Dokumente verlässt, riskiert daher, auf falschen Voraussetzungen aufzubauen.
Vor der eigentlichen Planung stehen deshalb umfassende Erkundungen und Untersuchungen. Dazu gehören beispielsweise statische Prüfungen sowie die Untersuchung möglicher Altlasten. Bei einem Stadionausbau ist die Statik besonders relevant, schließlich muss geklärt werden, ob und unter welchen Voraussetzungen die bestehende Konstruktion zusätzliche Belastungen aufnehmen kann. Erst wenn der Bestand ausreichend bekannt ist, lässt sich ein realistisches Konzept entwickeln.
Unklare Entscheidungen können Millionen kosten
Technische Erkenntnisse allein reichen jedoch nicht. Bei komplexen Großprojekten sind zahlreiche Beteiligte eingebunden, die unterschiedliche Interessen verfolgen. Umso wichtiger ist ein klar definiertes Entscheidungsgremium, das Vorgaben festlegt und verbindliche Beschlüsse trifft.
Bereits am Anfang muss feststehen, welche Anforderungen das Projekt erfüllen soll. Wie soll das Gebäude künftig genutzt werden? Welche Funktionen werden benötigt? Welcher finanzielle Rahmen steht zur Verfügung? Bleiben solche Fragen lange offen, muss die Planung immer wieder angepasst werden.
Genau darin liegt ein erhebliches Kostenrisiko. Je weiter ein Projekt fortgeschritten ist, desto aufwendiger werden Änderungen. Was in einer frühen Konzeptphase noch vergleichsweise einfach angepasst werden kann, greift später möglicherweise in Statik, Haustechnik oder bereits abgestimmte Bauabläufe ein.
Das gilt auch für die Auswahl des architektonischen Konzepts. Ein Wettbewerb verschiedener Entwürfe kann helfen, geeignete Lösungen zu identifizieren. Dabei sollte allerdings nicht allein die Optik entscheiden. Nutzeranforderungen, technische Umsetzbarkeit, Baukosten und spätere Wirtschaftlichkeit müssen von Beginn an ebenso berücksichtigt werden. Ein architektonisch überzeugender Entwurf hilft wenig, wenn erst anschließend deutlich wird, dass er den vorgesehenen Kostenrahmen sprengt.
Kostensicherheit vor der Vergabe schaffen
Sind die grundlegenden Anforderungen definiert und ein Konzept ausgewählt, folgt ein weiterer entscheidender Schritt: Die Planung muss mit realistischen Baupreisen zusammengebracht werden. Bei Großprojekten kann es deshalb sinnvoll sein, frühzeitig Unternehmen einzubeziehen, die Planung und Ausführung gemeinsam betrachten.
Eine Möglichkeit besteht darin, das gewählte Konzept mit Generalübernehmern abzustimmen. Sie können früh beurteilen, wie sich die vorgesehenen Lösungen praktisch umsetzen lassen und welche Kosten damit verbunden sind. Anschließend können Angebote eingeholt, miteinander verglichen und vor der Vergabe verhandelt werden.
Damit entsteht Kostensicherheit nicht erst, wenn die Bauarbeiten beginnen. Sie wird bereits während der Planung vorbereitet. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Leistungen und Anforderungen möglichst eindeutig beschrieben sind. Nur dann lassen sich Angebote sinnvoll vergleichen und belastbare Preise vereinbaren.
Späte Änderungen gefährden Zeit und Budget
Selbst eine detaillierte Planung schützt allerdings nicht vor steigenden Kosten, wenn grundlegende Entscheidungen während des Projekts immer wieder geändert werden. Zusätzliche Wünsche oder neue Anforderungen können bereits abgestimmte Leistungen betreffen und weitere Planungs- und Bauarbeiten auslösen.
Gerade bei einem Großprojekt mit vielen Beteiligten braucht es deshalb nicht nur schnelle, sondern auch belastbare Entscheidungen. Sind Bestand und Anforderungen untersucht, Nutzerbedürfnisse definiert, das Konzept ausgewählt und die Kosten geprüft, sollte die weitere Umsetzung auf dieser Grundlage erfolgen.
Der mögliche Ausbau der Veltins-Arena zeigt damit beispielhaft, warum die entscheidenden Weichen eines Großprojekts lange vor dem ersten Bauabschnitt gestellt werden. Je genauer der Bestand untersucht, Anforderungen definiert und Kosten in die Planung einbezogen werden, desto geringer wird das Risiko späterer Überraschungen. Wer Entscheidungen früh trifft und anschließend konsequent an ihnen festhält, verbessert damit die Voraussetzungen, ein komplexes Bauvorhaben im vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmen umzusetzen.
Über Dr. Peter Burnickl:
Dr. Peter Burnickl hat sich zur Aufgabe gemacht, mit einem neuen Ansatz für nachhaltige, optimierte und wirtschaftliche Gebäude zu sorgen. Er ist der Geschäftsführer der Pro Bauherr GmbH und eingetragener Sachverständiger für Baukosten und technische Gebäudeausstattung. Als Ingenieur, Projektentwickler und Bauträger kennt er die Branche außerdem genau. Mit seinem Team unterstützt er Bauherren dabei, so zu bauen, dass alle Kosteneinsparpotentiale voll ausgeschöpft sind. Weitere Informationen unter: https://www.pro-bauherr.com/.
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Ruben Schäfer
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Pro Bauherr GmbH
Vertreten durch: Dr. Peter Burnickl
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